Assisi 2001
Eines
schönen Tages kam die Idee auf, uns den Sonnenuntergang auf dem Monte Subasio anzuschauen. Daraufhin meinte Dirk, man könnte
da ja auch hoch laufen. Hoa und ich waren der gleichen Ansicht. Nun musste eine Route festgelegt werden. Dirk und ich übernahmen
das. Am Tag vor der geplanten Wanderung nahmen wir uns den Ducato, um die Route auszukundschaften. Es fanden sich hierfür sogar
sechs Teilnehmer, die unbedingt mit uns mitfahren wollten. Da konnten wir natürlich nicht nein sagen. Wer das war, kann man den Photos
entnehmen. Ich setzte mich ans Steuer. Es ging die vielbesprochene Strecke von unserem Haus bis nach Assisi rein entlang. In Assisi dann ging
es durch das Stadttor, bei dem man jedes Mal aufpassen musste, dass die Außenspiegel nicht an den Steinen kleben bleiben. Aber
es ist nie passiert. Von da an ging es am Campingplatz vorbei zur Carceri, oder verständlich für alle, zur Einsiedelei,
die schon Ziel einer unserer Wanderungen gewesen war. An dieser Stelle ist mir in der engen 180 Grad Kurve die Karre zweimal abgesoffen.
Das war aber auch der kniffligste Punkt der Strecke. An einem Hinweisschild machten wir Pause, um den weiteren Weg abzuklären.
Es ging einfach immer weiter den Berg hoch. Bald war die Baumgrenze
erreicht. Von da an war es nicht mehr weit bis zum Gipfel. Wenn die ganzen Leute, die zum Sonnenbaden hier hoch gefahren waren,
nicht alle wie bescheuert geparkt hätten, wären wir sogar noch schneller oben gewesen. Auch meinte eine Herde von Pferden,
uns einfach ignorieren zu können. Wir kamen aber dann doch noch an. Das war eigentlich auch alles was wir wollten. Viel gab
es hier nicht mehr zu tun, zumal es hier oben sehr windig und lausig kalt war. Also fuhren wir zurück.
Auf dem "Abstieg" fing es auf einmal ein bisschen an zu
stinken. Uns war schnell klar, dass das nur die Bremsen sein konnten. Wir hielten deshalb an einer geeigneten Stelle an. Die Gelegenheit
wurde genutzt, um ein bisschen die Fußmarschroute zu erkunden. Dafür schlugen wir uns in den Wald. Wir folgten einem Waldweg
bis zu einer Ruine, wo der Weg dann auch aufhörte. Hatte es also nichts für uns gebracht. Wenigstens waren die Bremsen
wieder abgekühlt, so dass wir zu unserem Haus zurückfahren konnten.
Am nächsten Tag machten wir uns daran, möglichst
viele Teilnehmer für unsere Superwanderung zu gewinnen. Von denen, die am Vortag mitgefahren waren, blieben nur noch drei Unerschütterliche
übrig. Den anderen dreien hatte es wohl die Sprache verschlagen, so dass sie sich die Wanderung nicht mehr zutrauten. Ich glaube,
die haben inzwischen mitbekommen, was sie da verpasst haben. Es fanden sich aber dann tatsächlich noch insgesamt neun Teilnehmer,
die bereit waren, mit Hoa, Dirk und mir zusammen die harte Tour auf sich zu nehmen. Wir krallten uns den Atto-Bulli und quetschten
uns alle irgendwie rein. Es ging dann auf gleichem Wege bis kurz vor die Einsiedelei, wo ein großer Parkplatz war, auf dem
wir den Bulli abstellen konnten. Es stellte sich an dieser Stelle das Problem, dass der Bulli ja irgendwie nachher mit nach oben musste,
da wir nicht auch noch wieder runterlaufen wollten. Folglich hatten wir in Ermangelung eines Zweitschlüssels den, den wir hatten,
so zu verstecken, dass die anderen ihn fanden. Dazu legten wir hinter jeden der vier Reifen einen Stein, wobei wir den Schlüssel
unter dem rechten Vorderreifen versteckten, in der Hoffnung, dass der Wagen später noch am selben Fleck steht. Wie so oft hatten
wir auch in diesem Fall Glück. Nach dieser Aktion liefen wir los. Erst an der Einsiedelei vorbei und dann auf gut Glück
einen Waldweg rein, damit wir nicht ständig auf der Straße
laufen mussten. Dieser
Weg erwies sich als echter Glücksfall, denn erstens sparte er uns einiges an Lauferei und zweitens war es viel schöner,
als auf der Straße lang zu laufen.
Wir kamen schnell voran, und uns wurde klar, dass unsere Prognose,
dass der Aufstieg an die drei Stunden dauern würde, ein Griff ins Klo war. Am Ende brauchten wir nämlich nur ein dreiviertel
Stunden. Ja, ja wir waren schon ziemlich gut. Irgendwann mussten wir dann leider doch auf die Straße ausweichen. Wir machten
Pause an der Hinweistafel vom Vortag, wo sich auch einige Tische und Bänke befanden. Auch an diesem Tag ließen wir die
Baumgrenze hinter uns. Zwischendurch unterhielt ich mich mit Benedikt über unsere Rechner. Ein sehr fruchtbares Gespräch. An
dieser Stelle verließen wir die Straße und gingen über "sanfte" Hügel unserem Ziel entgegen. Leider stellten
wir fest, dass es irgendwie immer steiler wurde. Für Dirk und mich mit unseren GLATTEN Schuhsohlen ein echtes Problem, vor allem
auf dem rutschigen Gras. So kam es auch, das wir etwas zurückfielen. Schließlich schafften wir es doch noch bis zum Gipfel, nachdem
wir die letzte Hürde, einen Zaun, mit Bravour gemeistert hatten. Da stand es dann, das Gipfelkreuz, in all seiner Pracht. Geschafft!
Der Wind war genauso stark wie am letztem Tag, und von den 35°C im Tal war hier oben auch nichts zu spüren. Die schlauen Leute
unter uns, darunter natürlich ich, hatten sich warme Klamotten mitgebracht, die dann auch sofort angezogen wurden.
Glücklicherweise hatte ich auch meinen Hocker mitgenommen,
der kaum 500 Gramm wiegt und sehr praktisch ist. So konnte ich mich setzen, ohne mir die Hose dreckig zu machen. ;-) Nein, das war es
nicht, aber praktisch ist das Ding schon. Jetzt hieß es für uns warten, denn wir waren viel zu schnell gewesen. Ein Teil der
Teilnehmer verkroch sich unter eine Rettungswarmhaltedecke, die Hoa bereitwillig aus seinem Fundus zur Verfügung stellte. Erst
saßen wir oben beim Gipfelkreuz, später entdeckten wir dann einen Windschatten, die Felswand an der Strasse, wo wir uns
dann auch klugerweise hinsetzten. Irgendwann kamen dann die anderen an. Erst aber nur drei Bullis. Es fehlten der Atto-Bulli und ein
Sprinter. Die trudelten etwas später auch ein. Wie wir erfuhren von ihnen, dass sie sich kurz nach der Einsiedelei ein wenig verfahren
hatten. Ich wusste sofort, welche Stelle sie meinten, und fragte mich, wie man an dieser unmöglichen Straße abbiegen konnte.
Nach den Anstrengungen des Tages hatten wir uns das Abendessen wirklich verdient. Es gab zwei Sorten Nudelsalat. Köstlich! Anschließend
genossen wir den schönen Sonnenuntergang.
Als es schließlich stockdunkel war, setzten wir uns in die
Bullis mit dem Gefühl, echt was erlebt zu haben. Dann fuhren wir zurück zur Casa San Lorenzo, um den gelungenen Abend ausklingen zu lassen.
Matthias >>
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