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Assisi 2002
Die Rütliwanderung (eine Nachtwanderung der anderen Art)

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Auf der Rückfahrt nach Deutschland an unserem Wanderhaus in der Schweiz angekommen, kam natürlich die Idee auf, den Rütli aufzusuchen und den Treffpunkt von 3 Kantonen zu besuchen. Nach dem Abendessen wurden dann nach Interessenten gefragt, welche mitgehen und die historische Stelle aufsuchen wollten. Wie Willi erzählte, sollte es nur 20 min. hin und 30 min. zurück dauern. In diesem Glauben beschloss ich mich ganz spontan, mit zu geh'n. Die vom Betreuerteam, welche nicht mitgingen, mussten sich um die Küche und den Abwasch kümmern. Beate meldete sich freiwillig, zurück zu bleiben und die Wanderung, von der wir noch nicht wussten, dass diese anstrengend werden würde, zu vermeiden. Mattes erbarmte sich und verzichtete auch auf die Wanderung. (ja, es ist mir furchtbarlich schwer gefallen - Mattes) Als ich dann, so neugierig wie ich bin, einen kleinen Blick in die Küche warf, das ganze Geschirr sah, Mattes schon ein bisschen jammern hörte, kam mir so leicht das Gefühl auf, die beiden bedauern zu müssen. Aber da mussten sie schließlich durch. (und das sind wir dann auch - Mattes)
Die Wanderung ging los. Ich ging dann mit einer Gruppe, Dirk, Anna P. (nicht Pior, denn diese reiste den Rückweg nicht mit uns), Katharina, Christian, Martin, Inga, Jelena, Stefan und Kerstin, angeführt von Willi, los. Willi beteuerte unter vielen Anfragen, ob es wirklich 20 min. dauere, dass dies auch tatsächlich stimme, auch als wir an einem Schild vorbeikamen, an dem stand, dass der Weg bis zum Rütli 50 min. dauere. Aber an dieser Stelle war es schon fast zu spät, den Rückzug anzutreten. Mit 3 Taschenlampen von Willi, Dirk und mir, ging es dann den Berg bergab. Zuerst hatten wir noch die Taschenlampen an. Da wir merkten, dass wir den Weg nicht für alle ausleuchten konnten, beschlossen wir unsere Batterien zu sparen und die Taschenlampen auszumachen. Es hieß, die Augen würden sich an die Dunkelheit gewöhnen. Das tun sie ja auch, aber als der Wald so dicht wurde und der Mond gar nicht mehr durchkam, sah meine Wenigkeit so gut wie gar nichts mehr. Ich beschloss, einfach nur, der Gruppe zu folgen und stehen zu bleiben, wenn vor mir alle mit Geschrei oder auch lautlos verschwinden würden. Alle, die mit waren, kennen den Weg. Wir tasteten uns den Weg, serpentinenähnlich zum Rütli hinunter. Es nahm kein Ende und der See war auch 'ne ganze Weile lang nicht zu seh'n.
Nach ca. genau einer Stunde kamen wir an ein Haus. Es war alles dunkel. Jedoch standen noch Tische und Stühle draußen. Viele Gags reißend, wurde die Hausbesitzerin auf uns auf-merksam. Ob sie schon geschlafen hatte oder einfach noch wach war, konnten wir nicht wirklich herausfinden. Die Frau war ziemlich verwirrt, das war sicher. Ob es daran lag, dass da so 'ne halbirre Gruppe im dunkeln den Rütli besuchen wollten? Zumindest sagte sie die ganze Zeit "geschlossen", als ob wir bei ihr was essen oder trinken wollten. Zum Rütli sollten wir auch nicht dürfen, es sei anscheinend abends gesperrt und dies solle an ihrem Haus stehen. Wir hatten uns nicht wirklich bemüht, dass Schild zu suchen. Also gingen wir weiter. Am Rütli angekommen, war dort eine Wiese, wo viele Kühe hingemacht haben. Die Kühe fanden wir erst später, aber die ganzen Häufchen machten den weiteren Weg etwas schwieriger. Wie war ich froh, dass ich eine Taschenlampe dabei hatte.
Am Ziel angekommen, fanden wir "nur" einen Fahnenmast, an dem weit oben eine Schweizer Flagge hing. Nachdem wir die Fahne kurz oder auch etwas länger unter dem Schein unserer Taschenlampen betrachtet hatten, gingen wir weiter zu 3 Bänken aus Stein. Für jedes Kanton, das an diesen Ort grenzte, stand hier eine Bank. Inga schien dringend für kleine Mädchen und es schien, als ob Martin ihr dabei leuchten wollte. Nichts Falsches denken. Martin hat nur den Weg in die Sträucher ausgeleuchtet und kam ohne Inga zurück. Inga darf jetzt behaupten, dass auch sie auf den Rütli gemacht hat. Ich dachte dabei nur an die Kühe, die die Wiese am Rütli zum Minenfeld gemacht hatten.
Auf dem Rückweg kamen wir natürlich wieder an dem Haus der "netten Dame" vorbei. Irgendjemand wollte ein Photo von diesem Gebäude schießen, andere wollten Klingelmännchen spielen und klopften an, bevor Martin das Photo geschossen hatte. Das Photo hatte er wohl trotzdem noch geschossen und stolperte, besser gesagt, flog dann im dunkeln fluchtartig über ein paar Stufen.
Den Berg wieder rauf benutzten wir natürlich unsere Taschenlampen und sahen den Weg, den wir uns runtergetastet, besser gestolpert waren. Es ist mit dem Waldweg zum Monte Subasio zu vergleichen, viele kleine und große bewegliche Steine, welche das Auftreten sehr erschwerten. (seit wann war der Aufstieg aufn Subasio beschwerlich? - Mattes) Ich entdeckte denn auch eine Bank, den ich auf dem Hinweg nicht bemerkt hatte. Der Weg war nicht ganz ohne. Bin unzählige Male umgeknickt. Auf der einen Seite des Weges ging es fast senkrecht hoch, auf der anderen Seite steil bergab. Einige Geländer, wenn es welche gab, waren ziemlich kaputt, sagen wir löchrig. Das wir im Dunkeln heil runter und wieder hoch kamen, grenzt an ein Wunder.
Oben wieder angekommen, machten wir an einer Gaststätte Rast und Willi holte uns allen zur Belohnung eine Schweizerische Cola. Willi war lange weg. Zurück mit den Getränken, erzählte Willi, dass sich der Wirt an ihn erinnern konnte. Der fragte Willi nämlich, ob er aus Assisi käme. Woher er das wohl wusste? Vor 5 Jahren soll Willi oder ein paar Teilnehmer der Fahrt wohl gut aufgefallen sein. An unserer Wanderhütte wieder angekommen, hörten wir, dass Herr Pastor da war und mit wollte, wir aber schon weg waren. Er sei dann vor unserer Rückkehr verärgert wieder gegangen, ohne dass wir ihn angetroffen haben.

Hoa >>

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