Assisi 2002
Tag 1
Rom ist seit Beginn der Assisi-Jugendwallfahrten ein fester Bestandteil
des Programms. Allerdings war es früher immer nur eine Tagestour. Das bedeutete einen Riesenstress für die Fahrer. Morgens drei
Stunden fahren (zu unmenschlichen Zeiten), dann die "vier" Kilometer (darauf falle ich nicht nochmal rein) Fussmarsch an allen
bedeutenden Stätten vorbei und abends dann die selben drei Stunden Fahrt zurück. Dieses Jahr haben wir es erstmalig mit
Übernachtung versucht. Und das war gut so!
Losgefahren
sind wir am Freitag-Nachmittag, kurz nachdem Damian und ich die stark gehandicapte Anna in den Flieger Richtung Deutschland geschickt
hatten. Als wir beide erleichtert an der Casa ankamen, mussten wir ganz, ganz schnell unseren Kram für Rom in den Rucksack stopfen,
denn keine viertel Stunde später gings schon wieder los. Die Fahrt verlief ohne Ereignisse (bis auf die Tatsache, dass ich zum
ersten Mal den Eindruck hatte, die Mautautomaten in Italien verstanden zu haben; sollte sich aber wieder ändern). Angekommen in Rom
wurden die Teilnehmer zack, zack aus den Bullis rausgeschmissen, damit wir sie in Acqua Acetosa abstellen konnten (Geheimtipp für
billige Parkplätze), ein Bahnhof, der nur mit viel Schwarzfahrerei von Rom-City aus zu erreichen ist. Dummerweise hatten sie den Parkplatz
mit der Euroumstellung auch auf teuer umgestellt. Deswegen parkten wir direkt kostenlos am Bahnhof. Zu dem sage ich nur eins: gut,
dass die Karren am nächsten Tag mit ihren Autoradios noch da standen. Nachdem wir also die Autos loswaren, fuhren wir fünf
(Willy, Dirk, Hoa, Damian und ich) mit der Metro in die Stadt hinein, um nach dem Piazza Navona zu suchen, wo die deutsche Gemeinde ihr
Haus hat. Wir fanden es mehr oder weniger leicht. Von dem Gebäude und dem Empfang waren wir direkt begeistert, denn man mit so etwas
hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Wir wären mit einem einfachen Raum für die Matrazen (für die, die dort eine
brauchten -> nur die Harten kommen innen Garten) und Schlafsäcke zufrieden gewesen. Aber wir wurden in einer alten Bibliothek untergebracht,
und dann gab es sogar Abendessen, nachdem viele von uns die Messe besucht hatten. Nur die Fahrer nicht, die mussten sich unbedingt
ausruhen. Nach dem Essen stellte derdiäk fest, dass er seine Kameratasche inklusive Geld im Bulli gelassen hatte. Schnell war
klar, wie wir unseren Abend gestalten würden, denn ich konnte ihn ja nicht allein gehen lassen, er wäre in Rom verloren gewesen.
Als sich also alle anderen aufmachten, den Piazza Navona und die Spanische Treppe am Abend zu bestaunen, machten Dirk, Beate und
ich uns auf, Dirks Zeugs zu holen. Zuerst gings zu Fuss bis zur U-Bahn-Haltestelle, den Weg haben wir Dank überlegener Pathfinder-Fähigkeiten
gut gefunden. Dann fuhren wir mit der U-Bahn zur Metro-Station. Mit der Metro fuhren wir dann zur Haltestelle Acqua Acetosa. Zu
unserer Erleichterung waren noch alle vier Wagen an ihrem Platz und auch Dirks Phototasche war noch da.
Mit einem sichtlich erleichtertem Dirk ging es den gleichen Weg wieder in die Innenstadt zurück. Der ganze Spass hat gut und gerne
2 Stunden gedauert. An der Spanischen Treppe trafen wir drei dann euch wieder. Gemeinsam gings zum Trevi-Brunnen. Dort blieben wir
dann alle für ne dreiviertel Stunde und wurden auch schnell von den zahlreichen Rosen- und Plastikschrottverkäufern oder
Leuten mit Sofortbildkameras umlagert. Lustig war es immer, wenn die Cops von der Policia Municipale auftauchten. Dann verschwanden
die Jungs ganz schnell, nur um Minuten später wieder aufzutauchen. Nach dem Trevi-Brunnen liefen wir zum Pantheon. Davor trafen wir
eine Pantomime, die sich als ägyptische Mumie verkleidet hatte. Die Teilis versuchten sofort, sie mit Ein-Cent Stücken zur
Bewegung zu bringen, aber so dumm war sie nicht. Mit höherwertigen Geldstücken klappte es dann besser. Nachdem der Pantomime seinen
Reiz verloren hatte, machten wir uns auf zum Piazza Navona. Dort gaben wir allen noch eine Stunde Zeit. Dirk, Damian, Beate und ich
machten uns auf, das beste Eis von Rom zu probieren. Der Einladung von Dirk folgten wir natürlich gerne. Das Eis war wirklich
gut, weniger gut war die Rechnung, er tat mir ein bischen leid.
Das war dann auch die letzte Aktion an diesem Abend, denn danach
gingen wir alle zu unserer Unterkunft bei der deutschen Gemeinde, um zu pennen. Zu unser großen Überraschung war es tatsächlich
auch sofort ruhig. Mitten in der Nacht hat Rebacca zwar das ganze Haus mit der Toilettenklingel wach gemacht, aber davon habe ich
nichts mitbekommen. Ich konnte es auch im nachhinein gut verstehen, den am nächsten Morgen ist mir das gleiche passiert, obwohl
ich nach meinem Zivildienst besser hätte wissen müssen. Nach dem Aufstehen sollte es dann bald weitergehen mit einem "kleinen" Stadtrundgang.
Tag 2
Am nächsten Morgen wurden alle recht früh aus den "Betten"
geworfen, den Rom erwartete uns schon. Es dauerte allerdings ein bischen, bis alle durch die beiden Waschräume durch waren.
Zu unserer Überraschung stellte man uns ungefragt auch noch ein Frühstück bereit. Dann ging es aber auch schon los.
Unsere Klamotten ließen wir liegen, die holten wir am Nachmittag ab. Vor dem Gebäude der deutschen Gemeinde weihte uns der Pastor
in die Dinge ein, die nun kommen sollten. Er kündigte uns 4 Kilometer Fussmarsch durch Rom an. Der Weg sollte an vielen bedeutenden
Orten vorbeigehen. Zuerst liefen wir zum Mahnmal des Unbekannten Soldaten und erfuhren, das das Kitsch ist (ich würde nicht
so hart damit umspringen). Hinter dem Mahnmal war auch schon gleich das Forum Romanum. Dort setzten wir uns hin und lauschten den Worten
von Pastor Müller, der uns so allerhand aus Roms Geschichte zu erzählen hatte, zum Beispiel, wann Rom gegründet wurde,
wann die Konstantinische Wende war oder es mit Rom zu Ende ging. Zu diesem Zeitpunkt passten sogar noch alle auf. Vom Forum gings
weiter zum Colosseum, vorbei an den vier riesigen Tafeln, die die Größe Roms in verschiedenen Epochen zeigten. Am Colosseum
machten wir wieder Halt.
Es dauerte nicht lange, und wir waren wieder von Strassenhändlern umlagert. Heute hatten sie Ketten, Armreife und ähnliches Zeugs
im Angebot. Ein paar bestimmte Worte unseres perfekt italienisch sprechenden Oberbetreuers Wimpy schafften aber Abhilfe, so dass
Pastor mit seinem Geschichtsvortrag fortfahren konnte. Danach war ein bischen Zeit, sich umzusehen. Dirk und ich gingen zu einem der
von Getränken und Snacks überquillenden Wagen, um uns was zu trinken zu kaufen. Ich bestellte eine Sprite, und irgendwie
stand die Sonne schon zu hoch, denn ich bezahlte tatsächlich den Wahnsinnspreis von 4 €. Dirk, davon vorgewarnt, nahm nur
ein Wasser und kam damit zwar besser weg, aber auch nicht günstig. Mit dem guten Gefühl, gründlich übers Ohr gehauen
worden zu sein, gingen wir zur Gruppe zurück.
Nach kurzem Bestaunen des Konstantinbogens ging es an einem Aquädukt
vorbei weiter zum Circus Maximus. Ich hatte mir davon allerdings was anderes vorgestellt, denn man sah nur noch eine langgezogene
Grünfläche, nur an einem Ende waren noch ein paar Steine zu sehen. Dann kamen wir wieder zum Forum Romanum, diesmal zur anderen
Seite. Von dort liefen wir über das Forum, vorbei am Pallatin, dann wieder eine Treppe hoch zu einem Platz wo eine Statue von Marcus Aurelius
aus Bronze stand (die nur deshalb nicht eingeschmolzen wurde, weil es früher noch keine Photoapparate gab, ich hoffe ihr versteht
mich). Hier wurde wieder mal Halt gemacht. Allerdings hörten schon viele nicht mehr so gut zu, wie sie sollten. Der Ruf nach
einer Mittagpause wurde zum ersten Mal laut. Auf der uns gegenüberliegenden Seite des Platzes fand grade eine Hochzeit. Die mussten sich dann
einige Leute, allen voran Wimpy, ansehen. Ich fand das weniger interessant, schon weil man bei den ganzen Leuten eh nix sehen konnte und war
froh als wir endlich den Weg zum Pantheon einschlugen.
Dort angekommen, konnten sich die, die wollten, den Pantheon nochmal bei Tag angucken und auch reingehen. Dann war aber Mittag angesagt.
Der war auch nötig. Die Teilis rannten sofort zu McDoof. Pastor lud uns, die Betreuerleiterfahrer, zu kalten Getränken ein.
Nur Willy wollte nicht, weil er noch Nudeln besorgen musste. Nachdem wir ausgetrunken hatten, musste auch ich was essen, und was lag
da näher, als eben nen Burger zu holen. Dummerweise fing es jetzt an zu regnen. Dadurch wurde das Kopfsteinpflaster so glatt,
dass ich mich (und andere auch) fast langlegte. Als endlich alle eingetroffen waren, konnten wir endlich zum Vatikan gehen. Vorbei
gings am Tiber und an der Engelsburg. Im Vatikan, vor dem Petersdom verlief alles wie gewohnt. Erst gabs Geschichte, dann musste man
schnell, ganz schnell seine lange Hose anziehen.
Der Petersdom hatte sich nicht verändert seit dem letzten Jahr,
warum auch. Wir guckten uns alles nochmal an. War immer noch groß und beeindruckend. Mit dem Petersdom waren wir am Ende unseres Kulturoverkills.
Jetzt mussten wir, die supertollen Fahrer, wieder unseren Lieblingsbahnhof Acqua Acetosa aufsuchen, um die Bullis abzuholen. Das verlief alles
glatt. Nur den Platz zu finden, wo wir die Teilis am Tag vorher abgesetzt hatten, war nicht so leicht. Hier versagte der Orientierungssinn
von Wimpy, und wir fuhren ein paar Ehrenrunden. Am Ende schafften wir es dann doch, alle aufzusammeln. Es folgte eine mehr oder weniger
anstrengende Rückfahrt nach Assisi, mehr für die Fahrer (der Regen war die Hölle in nass), weniger für die Teilis.
Die schliefen fast alle, sogar mit offenen Augen.
Matthias >>
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