Assisi 2002
Die Abende begannen meistens nach dem Abendgebet,
so wie sich das gehört, sind wir da ja auch alle immer aufgetaucht. Danach ging es dann munter weiter, es bildeten sich kleine oder große
Gruppen und man setzte sich irgendwo zusammen um noch einen netten Abend zu verbringen. Meist konnten wir uns die begehrten Plätze unter dem
Feigenbaum mit den Liegestühlen und den Hängematten erobern. Dann wurde das Radio angeschlossen, das gekühlte Bier aus der Kühlbox
geholt, natürlich nur für die, die auch schon 16 waren, und einem lustigen Abend stand nix mehr im Weg. Es waren oft noch große Gruppen,
aber da am Anfang ja noch eine Zu-Bett-geh-Zeit bestand wurde die Gruppe immer kleiner je später der Abend wurde, da doch wohl der meiste Teil
der Teilnehmer sehr gehorsam und verantwortungsbewusst war. Um dem Anschein auch zu entsprechen, bewegten wir, d.h. Else, David, Rebecca, Stephan und
ich, uns dann auch immer schon mal so in Richtung Waschraum. Machten allerdings meistens erst noch einen längeren Zwischenstop auf den Bänken
auf dem Balkon. Dort wurde dann weiter Radio gehört und wir hatten Spaß. Je später es wurde, desto bessere Ideen hatten wir.

So kramten wir zum Beispiel an einem Abend das schon vom Namen her freshe Spiel "Punk sucht Lady" heraus.
Nachdem Else vergebens versucht hatte, uns die Spielregeln vorzulesen und zu erklären, beschlossen wir einfach unsere eigenen Regeln aufzustellen.
So bekam jeder einige Karten mit Beschreibungen von Menschen drauf und musste nun versuchen den passenden Partner zu finden. Jeder pries seinen Kandidaten
in höchst attraktiver Weise an und die anderen suchten sich aus ihren Karten ein passendes Gegenstück. Das alleine war schon sehr lustig,
da die Personen auf den Karten einfach nur krank waren oder scheiße aussahen. Außerdem waren wir alle sehr, sehr müde und haben eh
nix mehr wirklich auf die Reihe bekommen. Nur einige Male schafften wir es, das perfekte Pärchen herzustellen. Zwischendurch versuchten wir
auch mal nicht die höchste Punktzahl zu erreichen, sondern die niedrigste, was auch sehr amüsant war. Lichtmänneken hat immer geschummelt,
störte aber niemanden, denn alles war eh sehr durcheinander. Nachdem wir alle Karten mindestens schon dreimal durchgespielt hatten und jeder
halt mal mit jedem zusammen war, hatten wir genug von der Heiratsvermittlung und ließen uns wieder auf dem Balkon nieder um noch etwas über
das Leben zu philosophieren und Musik zu hören.
Einen weiteren Abend verbrachten wir mit dem Spiel Tick Tack Boom,
dem wirklich besten Spiel der Welt. Es war zwar auch diesmal schon wieder reichlich spät und alle anderen waren wohl schon wieder schlafen gegangen,
doch der harte Kern hielt durch. Diesmal lasen wir uns sogar die Spielregeln des Spieles durch und befolgten diese auch weitgehend. Es konnte los gehen.
Stephan, Else, David, Rebecca und ich setzten uns mal wieder auf die beliebten Bänke und starteten die Bombe. Das Spiel bestand darin, mit einer Silbe
ein Wort zu bilden, wobei vorher festgelegt wurde wo die Silbe nicht stehen darf. Runde für Runde wurden wir besser und entwickelten Strategien,
um es denn andern möglichst schwer zu machen. Am beliebtesten war wohl, sich schon mehrere Wörter überlegen und erst weiter zu machen,
wenn die Bombe schneller wurde. Dann brach nämlich meist Panik aus und wenn man in so einer schnellen Runde kein Wort wusste, war es meist
auch aus, denn durch das hektische Ticken der Bombe völlig verunsichert, fiel einem meistens auch kein vernünftiges Wort mehr ein. Hierbei entstanden
dann auch schon mal so tolle Wörter wie Kinderpimmel und Denkerstab. Zwar gab es auch noch einige Auseinandersetzungen, da wir uns über
die Regeln nicht immer ganz im Klaren waren, aber trotzdem hatten wir unglaublichen Spaß an diesem Spiel. Besonders, weil man die anderen immer leiden
sehen durfte, wenn ihnen auf die schnelle kein Wort eingefallen ist. Gewinnerin des Spiels war Rebecca, dicht gefolgt von Stephan und mir auf dem zweiten
Platz, dritter war Else und Verlierer David!!
Ansonsten waren die Abende meistens ruhig. Abgesehen von den allabendlichen
Ringkämpfen im Jungenzimmer, den Kissenschlachten und Catcheinlagen im großen Raum mitten in der Nacht, den geplanten Schlägereien
mit den Italienern, die nie zu standen gekommen sind und meistens in Belagerungen der Straße endeten, der gemeinen Laura-an-den-Stuhl-mit-Klebeband-festkleb-und-unter-die-Dusche-schlepp-Aktion
um ca. halb drei nachts, den Attacken auf die nächtlichen Duscher mit Zahnpasta und anderen leckeren Dingen, das Aufwecken, der schon schlafenden
Mitmenschen im Zimmer, durch laute Musik, Schlägereien, langes Gelaber, Umrennen aller möglichen Möbel und Gegenstände, darauffolgendes
Gelächter, und immer wieder freundliches "Gute Nacht" - Sagen der netten Mitmenschen. Am Sonntag Abend freuten wir uns besonders über
das Radioprogramm von Radio Deejay, denn es kam nur 70er Jahre Musik und die Moderatorin ging auch ab für ne Mark. So hörten wir den ganzen
Abend Radio und hatten ordentlich Spaß mit der Musik, so dass es auch mal zu einigen Tanzeinlagen kam. Im Großen und Ganzen war also immer
was los und bis die letzten im Bett waren konnte es auch schon mal sehr spät werden, sodass das Wecken von Willi am nächsten Tag eine
ganzes Liederbuch dauern konnte.
Laura/Schnitzel
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