Assisi 2001
Der Tag der Hinfahrt war bekanntlich der 4. August. Bevor es auf große Fahrt nach Italien gehen
konnte, brauchten wir erst einmal die Fahrzeuge dazu. Der Atto-Bulli war organisiert und der Barbara-Bulli auch, aber es fehlten noch
die beiden Sprinter und der Ducato. Also machten sich Raphael, Wimpy und ich um kurz vor neun Uhr, also noch fast mitten in der Nacht
auf, die Wagen in Recklinghausen abzuholen. Auf
dem Weg dorthin mussten wir noch Anna in einem Kaff namens Polsum abholen, da sie auch einen Wagen mitnehmen wollte. Hier versuchten
wir (Raphael und ich) das erste Mal, eine unserer Kassetten mit der besten Musik der Welt laufen zu lassen, aber ein Blick in Wimpy`s
Gesicht sagte uns, dass es dafür doch noch etwas zu früh war. Danach ging es weiter nach Recklinghausen zum Autoverleih Vittinghoff.
Die freundlichen Mitarbeiter wiesen uns in die Fahrzeuge ein. Ich war ein wenig überrascht, weil die Sprinter doch etwas größer
waren, als ich es mir vorgestellt hatte. Das Auto fuhr sich dann aber fast wie von selbst. Am Anfang musste ich nur ein bisschen
aufpassen mit den parkenden Autos am Straßenrand, weil dieses Auto doch geringfügig breiter ist als mein kleiner, roter AX.
Ist aber noch mal gut gegangen. Zuerst fuhren wir noch in Marl vorbei, wo wir eine Kühlbox abholten, die bei mir zwischen die Vordersitze
kam. Dann fuhren wir erst mal wieder ins schöne Anholt zurück. Auf der A3 rief Hoa mich an. Was er damals genau von mir gewollt
hatte, weiß ich nicht mehr, ich habe kaum ein Wort verstanden, denn ich war grad dabei, den Sprinter sprinten zu lassen. Es ging
wohl um weitere Kühlboxen. In Anholt angekommen musste ich erst mal meinem Vater bei der Installation der neuen Dunstabzugshaube
helfen. Aber bei einer perfekten Planung hat man auch noch für so etwas Zeit. Als wir damit fertig waren, packte ich noch ein bisschen
und haute mich dann noch für ein, zwei Stunden aufs Ohr. Geschlafen habe ich aber nicht, da guck ich mir lieber noch Simpsons an. Als
ich aufstand, war es schon nach halb vier und ich musste mich ein bisschen beeilen, um noch um vier Uhr an unserer Kirche anzukommen,
wo wir abfahren wollten. Ich habe es dann aber noch rechtzeitig geschafft und wir fuhren nach Marl. Unterwegs versuchte ich mit
ersten Fragen die Atmosphäre zu lockern, doch irgendwie ergab sich daraus kein Gespräch. In Marl angekommen mussten zuerst
Unmengen von Gepäck, Bastelkram und Lebensmitteln auf die Bullis verteilt werden. Danach hieß es Gottesdienst feiern. Jetzt
sollte es aber losgehen. Dummerweise mussten Dirk und ich feststellen, dass der Luftdruck in den Reifen unseres Sprinters nicht optimal
war. Also mussten wir schnell eine Tankstelle finden, die an einem Samstagnachmittag geöffnet hat, in einem Kaff wie Sickingmühle
keine leichte Aufgabe. Als wir dann eine geöffnete gefunden hatten, hatte es zu unserem Glück angefangen in Kübeln
zu schütten. Aber was blieb uns anderes übrig als auszusteigen und Luft auf die Reifen zu bringen. Wir stiegen bis auf die Haut
durchnässt wieder ein und sahen in die schadenfrohen Gesichter
unserer Teilnehmermitfahrer/innen. Na
ja, so schlimm war es nicht.
Was an den nächsten Rastplätzen so alles passiert ist weiß ich nicht mehr, war dann wohl auch nichts besonderes.
Irgendwo dann aber in Süddeutschland, es war schon ziemlich dunkel geworden, machten wir Rast zum Abendessen. Es gab jede Menge Obst und Gemüse,
aber auch Würstchen, an die ich mich hielt. Kurz bevor wir wieder losfuhren meinte eine der Teilnehmerinnen, ein kleiner Lockenkopf
aus Marl, der mir ungefähr bis zur Brust reichte, ich sollte doch mal in den Himmel schauen. Ich sah lauter Sterne, was auch
sonst. Sie meinte dann, der hellste von allen, sie zeigte willkürlich auch irgendeinen Stern, das sei der Schalke-Stern. Ja, ja, dachte
ich mir, der Schalke-Stern. Etwas verwundert gab ich ihr zu verstehen, dass ich kein Wort glaubte. Sie ließ aber nicht locker, bis
wir abfuhren. Das ist die wahre Geschichte von meinem ersten Gespräch mit Inka. Als wir vom Rastplatz wieder abfuhren, fing es wieder
schön an zu regnen. Dummerweise meinte Pastor genau jetzt zeigen zu müssen, wie schnell er fahren kann. Das ging eine Zeit lang
gut, bis wir dann, wir fuhren an vierter Stelle, merkten, dass der Ducato nicht mehr hinter uns war. Nachher kam raus, dass deren Tank
fast leer war und sie deshalb langsamer gefahren waren. Irgendwann überquerten wir dann die Grenze zur Schweiz. Dirk hatte zu
diesem Zeitpunkt schon längst das Steuer übernommen, weil ich aus unerklärlichen Gründen von der Müdigkeit
gepackt wurde. Er fuhr dann auch die ganze Schweiz durch bis hinter die italienische Grenze. Ich sorgte zwischendurch für die musikalische
Unterhaltung. Bei der Rast hinter der Grenze wechselten wir dann wieder und es ging weiter. Nach einer kleinen Spritztour in einem
bezaubernden kleinen italienischen Dorf, durch das uns der Pastor auf Grund eines Kartenlesefehlers führte, ging es zurück
auf die Autobahn. Zu unserem Pech kamen wir in einen riesigen Stau, der uns wertvolle Stunden kostete. Zwischendurch machten wir Pause
an einem der gepflegtesten Rastplätze, den ich je gesehen hatte (ACHTUNG: IRONIE).
Wir verzogen uns auf eine Wiese, um zu frühstücken. Wieder
Würstchen! Zurück auf der Autobahn mussten wir feststellen, dass der Stau sich immer noch nicht aufgelöst hatte. Also mussten
wir in der mittlerweile sengenden Sonne auf Besserung hoffen. Vielen Dank noch mal an die Klimaanlage, du hast uns sehr geholfen. Bei
einem zwischenzeitlichen Tankstopp musste ich dann lernen, dass in Italien das SB-Tanken noch nicht so weit verbreitet ist, aus
Angst vor Benzinklau. Aber als ich davon Wind bekam, hatte ich schon vollgetankt. Der Tankwart sah mich zwar etwas komisch an, aber ich
habe mir nichts dabei gedacht. Hiernach musste ich erst mal wieder ein bisschen pennen und ließ Mechthild weiterfahren. Bei der
nächsten Rast kam ich dann zu Raphael in den Ducato, wo ich endlich einschlafen konnte. Später wachte ich an der Schulter
von Kerstin wieder auf, da war ich ein wenig überrascht. Sie hatte sich wohl nicht getraut, mich aufzuwecken. Dann übernahm
ich den Ducato. Als wir von der Autobahn runterkamen und die letzte Mautstation hinter uns lassen mussten (ich weiß bis heute
nicht genau, wie das funktioniert) kam der Sprinter mit unserer Karte irgendwie nicht durch. Hatten wir bei der letzten Station
also doch Mist gebaut, das ging auch irgendwie zu leicht. Nach zähen Verhandlungen zwischen dem Mautmeister und unserm Oberleiter Wimpy
kamen sie dann doch endlich durch. Von da an ging es auf einer Art Hauptstraße Richtung Assisi. Wimpy sagte die ganze Zeit zwar:
"In einer Stunde sind wir da!", aber seit dem er das das erste Mal gesagt hatte, waren auch schon wieder drei Stunden vergangen.
Es dauerte dann auch noch anderthalb Stunden, bis wir an unserem Haus ankamen. Die letzten Kilometer den Berg hoch waren das Schlimmste
daran. Im Laufe der Zeit haben wir diese Strecke aber lieben gelernt.
So, wie es nach der Ankunft weiterging, steht in der Geschichte vom ersten Abend.
Matthias >>
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